Oona Horx-Strathern: Home Report 2021

Die Pandemie hat die Art und Weise, wie wir leben, wohnen und arbeiten grundlegend verändert. Wer in den Sektoren Bauen, Wohnen und Sanieren arbeitet, wird mit den neuen Bedürfnissen der KundInnen rasch konfrontiert. 

Gebäude werden für viele Jahrzehnte gebaut, geplant, saniert. Wir leben in einer Zeit der Veränderung, COVID wirkt wie ein Brandbeschleuniger und Katalysator auf die Art und Weise, wie wir leben, wohnen und arbeiten. Die Gewerke tragen daher eine große Verantwortung, die Wohn- und Arbeitswelten so flexibel zu gestalten, dass sie auch in 10, 20 und 30 Jahren an die jeweiligen Lebensphasen angepasst werden können.

Die Auswirkungen der Verschmelzung von Büro und dem eigenen Zuhause hat der ÖGNI, die österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft, in einem Manifest anschaulich aufgearbeitet. Oona Horx-Strathern gibt in ihrem Trendreport wiederum einen detaillierteren Blick in die resiliente Stadt der Zukunft, in alternative Wohnmodelle und in die Verwendung nachhaltiger Materialien. Sie stellt neue Formen des Zusammenlebens vor, die einen Gegentrend zu den Single-Haushalten darstellen: Gemeinsames Wohnen mit Raum für Individualität.

COVID wird, so Strathern, einen Einfluss auf die Stadtplanung und Immobilienentwicklung haben, der weit über die Verknüpfung von Home & Office hinausgeht. Im Themenschwerpunkt “Die resiliente Stadt” geht sie beispielsweise auf die Herausforderderung ein, eine stabile Infrastruktur sicherzustellen, die auch in Notfällen greift. Und was passiert, wenn der lokale Einzelhandel zu Gunsten von Amazon & Co vernachlässigt wird? Eine Entwicklung mit verheerenden Folgen für die Nahversorgung. 

Die Rückbesinnung auf eine hyperlokale Verbundenheit, auf multifunktionale statt monothematische Stadtviertel sorgt für mehr Lebensqualität. 

Neben möglichst nahegelegenen Einkaufsmöglichkeiten bedeutet dies auch z.B. leicht zu erreichende Grünflächen, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken. Ein Beispiel stellt hier Paris dar: Bürgermeisterin Anne Hidalgo verfolgt den Plan, dass BürgerInnen alle wesentlichen Bedürfnisse – von Wohnen und Arbeiten bis zu Bildung und Freizeit – innerhalb von 15 Minuten mit dem Fahrrad oder zu Fuß von der eigenen Haustür aus erfüllen können. 

Einen Teil des Reports widmet Strathern der “Building Equality”, dem Bauen ohne Gender Bias. Sie stellt die Frage, ob es mehr Frauen in der Architektur, Stadtplanung und im Design braucht – weniger um einen feministischen Streitpunkt zu eröffnen. Frauen haben andere Bedürfnisse als Männer, die diesen Sektor dominieren. Ein gendergerechtes Bauen und Planen bedeutet mehr Lebensqualität für alle. Denn: “Räume tun von sich aus nichts, aber sie unterstützen bestimmte Alltagszusammenhänge oder sie stellen Barrieren dar”, so Eva Kail, Expertin für frauengerechtes Planen und Bauen im Amt für strategische Planung Wien. 

Fazit: Die Lektüre geht von Beispielen aus der Praxis aus und beleuchtet eine Vielzahl an Kriterien. Wie wir in 10 bis 20 Jahren wohnen werden, steht natürlich in den Sternen. Aber wir sollten diese Zeit der Transformation nutzen, um uns damit zu beschäftigen. Der Report gibt einen Überblick über die bereits existierenden Trends und welche Aspekte wir beim Bauen, Sanieren oder einfach nur bei der Wohnungssuche beachten sollten.

 

Oona Horx-Strathern
“Home Report 2021”
Herausgegeben von Zukunftsinstitut GmbH, Frankfurt
150,- (inkl. Ust)

Bestellmöglichkeit über die Homepage des Zukunftsinstituts 

 

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